Pelléas et Mélisande – Abstürzende Symbole überwältigen verhängnisvolle Liebende

Die vielen Schichten von Stefan Herheims Inszenierung beweisen, dass sie die Ablenkung vom verdrehten Mysterium der Debussy-Tragödie lösen.

Wer Glyndebourne für seine Neuproduktion besucht, sollte vor dem Vorhang einen kurzen Rundgang durch den dortigen Orgelraum machen, um sich an die Gestaltung und die Malerei an den Wänden zu erinnern. Denn die von Philipp Fürhofer schön gestaltete Inszenierung rekonstruiert treu den Raum, der einst die größte britische Orgel außerhalb einer Kathedrale beherbergte und der immer noch vom Gehäuse und den erhaltenen Pfeifen dieses riesigen Instruments beherrscht wird.

Herheims Produktion spielt in der Zeit zwischen den Weltkriegen, als John Christie Glyndebourne übernahm, die Orgel bauen ließ und dort mit Opernaufführungen begann. Aber diese selbstreferentielle Inszenierung erweist sich nur als eine der vielen hier vorgestellten Anspielungen, die nur einen falschen Ton am jämmerlich banalen letzten Vorhang treffen. Doch bis dahin ist die Fülle der Symbolik, die auf die bereits archetypische symbolistische Oper geladen ist, zu einer echten Ablenkung von der zentralen Tragödie dieser emotional beraubten und isolierten Königsfamilie geworden.

Selbst Christina Ganschs Mélisande, schön gesungen, die die Balance zwischen ätherischem Mysterium und leidenschaftlichem Engagement perfekt einfängt, wird auf Distanz gehalten, während der Bariton Pelléas, John Chest, sich ein wenig zu leicht von der schüchternen Gaucheness seines ersten Auftritts zu seiner willigen Komplizenschaft mit Mélisande zu bewegen scheint. Aber Christopher Purves’ Golaud ist das Hauptopfer der Annäherung. In den meisten Produktionen von Pelléas ist es möglich, Mitleid mit Golaud zu haben, ohne seine Taten zu dulden, aber das ist hier kaum möglich, da er sich im Laufe der Oper weiter aus dem Blickfeld zu verlieren scheint und seine wahnsinnige Eifersucht zunimmt. Am Ende ist er nur noch eine Hülle, kaum verantwortlich für seine Taten, aber auch schwer in der letzten Tragödie zu platzieren, die fast schon von Brindley Sherratts Arkel inszeniert zu sein scheint.